Der Saronische Golf – 5 Perlen vor den Toren Athens

Inhaltsverzeichnis

Lage und Geschichte

Der Saronische Golf ist Teil der Ägäis und bezeichnet den Teil zwischen dem Festland um die Region Attika und dem Peleponnes.

Durch den Saronischen Golf laufen die großen Container-Schiffe, Tanker, aber auch Kreuzfahrer den Hafen von Piräus an. Damit hat der Saronische Golf eine große wirtschaftliche Bedeutung.

Gleichzeitig fährt man durch den Saronischen Golf, wenn man in den Kanal von Korinth einfahren möchte.

An klaren Tagen hat man, z. B. vom Lykavittos aus, einen großartigen Blick auf den Golf und kann die Schiffe in Warteposition vor dem Hafen von Piräus beobachten.

Der Saronische Golf
Schiffe in Warteposition vor dem Hafen von Piräus

Bereits in der Antike war der Saronische Golf von großer Bedeutung. Hier wurden hier einige wichtige Seeschlachten im Peleponesischen Krieg geschlagen. Auch eine der wichtigsten Schlachten mit Bedeutung für Europa fand hier. 480 v. Chr. konnte die vereinte Griechische Flotte bei Salamina die weit überlegene Flotte der Perser versenken. Nach einer Reihe verlorener Schlachten gaben die Perser ihre Expansionspläne nach Europa auf.

Nach der Befreiung von der Osmanischen Herrschaft, war Aegina die erste Hauptstadt des freien Griechenlands.

Der Saronische Golf und Tourismus

Im Saronischen Golf liegen die Inseln Aegina, Salamina (Salamis), Angistri, Poros, Hydra und Spetses. Alle Inseln sind von Athen aus sehr gut erreichbar und eignen sich für Tagesausflüge. Mit dem Flying Dolphin z. B. ist man in ca. 3 Stunden auf Spetses.

Kürzer ist die Fahrt nach Hydra. Diese dauert zwischen 1 und 1,5 Stunden. Für 28,50 EUR je Strecke kommt man mit dem Flying Dolphin relativ günstig hin. Wer Interesse hat, kann sich auf der Seite von Hellenic Seaways über Preise und Fahrpläne informieren.

Aber auch für Segler ist der Saronische Golf ein beliebtes Segelrevier. Der benachbarte Argolische Golf am Peleponnes und die Saronischen Inseln sind ideal für kurze Segeltouren. Durch die kurzen Entfernungen und moderate Winde, werden sich auch Segelanfänger gut zurechtfinden.

Wer keine eigene Segelyacht sein Eigen nennt, kann eine Segelyacht, bei Bedarf mit Skipper, chartern. Sail Greece Yachts ist eins der Unternehmen, welches Charter Yachten anbietet.

Auch die Inseln im Saronischen Golf leben vom Tourismus. Im Vergleich zu den bekannteren und beliebteren Inseln, wie Korfu, Kreta, Mykonos, Lesbos, Rhodos oder Kos kann man hier allerdings nicht von Massentourismus sprechen. Hydra, Spetses oder Aegina sind eher Ziele für die Athener, die im Sommer der drückenden Hitze entkommen möchten oder von Individualtouristen. Dennoch haben alle Inseln eine hervorragende Infrastruktur, ohne etwas von ihrer Schönheit und ihrem Charme zu verlieren.

Seit nunmehr 6 Jahren fliegen wir im Frühjahr nach Athen. Erstmals in 2019 haben wir eine Schiffstour nach Hydra unternommen. Für die kommenden Jahre sind weitere Tagesausflüge auf die Inseln im Saronischen Golf fest eingeplant.

Die Inseln im Saronischen Golf

Hydra

Nicht umsonst gilt Hydra als eine der schönsten Inseln Griechenland. Eine Besonderheit ist sicher, dass auf Hydra keine motorisierten Fahrzeuge erlaubt sind. Die ganze Inseln ist ein denkmalgeschütztes Architekturreservat.

Der Saronische Golf: Hafen von Hydra
Hafen von Hydra

Für den Transport dienen hier Esel und Maultiere, die in erster Linie Waren transportieren. Leider werden die armen Tiere jedoch auch für den Transport von Touristen missbraucht.

Einst wasserreich und fruchtbar, ist die Wasserversorgung heute auf der kargen und felsigen Insel schwierig geworden. Bis 2014 mussten die ca. 2000 Inselbewohner per Schiff mit Trinkwasser versorgt werden. Mittlerweile betreibt ein privates Unternehmen eine Entsalzungsanlage und stellt damit die Wasserversorgung sicher.

Auf Hydra befindet sich die weltweit erste Akademie der Handelsmarine und viele griechische Seeleute kommen aus Hydra. Durch den Handel reich geworden, finden sich auf der Inselhauptstadt viele Herren- und Kapitänshäuser. Im griechischen Freiheitskampf von 1821 erhielt die griechische Befreiungsbewegung wichtige Unterstützung durch die einheimischen Seeleute und ihre Flotte.

Hydra ist nicht bekannt wegen seiner Strände. Direkt im Stadtgebiet gibt es einige Plätze, an denen man ins Wasser kann. Wer jedoch an schöne Strände möchte, sollte sich eines der vielen Wassertaxis bedienen, die badewillige Urlauber an einen der weiter entlegenen Strände bringen.

Der imposante Hafen lockte in den 1960er Jahren viele Künstler auf die Inseln und noch heute gilt Hydra als Künstlerkolonie. Durch ihre Architektur, die schönen Herrenhäuser und Villen, Museen, Kirchen, Befestigungsanlagen und den Hafen ist Hydra besonders für Fotografen ein besonders ertragreiches Revier. Bilder von Hydra habe ich in einer eigenen Bildergallerie zusammengestellt.

Urlauber, die auf Menschenmengen und Party verzichten können, werden das ruhige und beschauliche Hydra lieben.

Poros

Eigentlich besteht die Insel Poros aus 2 Inseln, Sphéria und Kalávria, die durch eine Brücke miteinander verbunden sind. Die Hauptstadt Poros, mit ihren neoklassizistischen Häusern, liegt auf Kalávria.

Der Saronische Golf: Hafen von Poros
Hafen von Poros

Der Naturhafen von Poros bietet Anlegestellen für zahlreiche Segel-Yachten, die man bei einem Spaziergang über die Hafenpromenade bewundern kann. Auf dem Weg zum Uhrturm, einem der Wahrzeichen von Poros, wandert man durch verwinkelte, enge Gassen. Hinter jeder Ecke kann eine Überraschung warten und es bieten sich immer wieder atemberaubende Ausblickes aufs Meer.

Poros kann mit einigen Stränden, von Sand- bis Kieselstränden aufwarten. Die meisten Strände liegen im Süden der Insel. Ein bekannter, organisierter Strand ist Bagíonia. Eine Besonderheit sind die Überreste einer ehemaligen russischen Marine-Station aus dem Russisch-Türkischen Krieg.

Poros liegt nur wenige 100 Meter vom Peleponnesischen Festland entfernt, sodass Überfahrten in Ausflugsschiffen und Fähren zum nahegelegenen Galata möglich sind.

Spetses

Mit ca. 3 Stunden Fahrt, hat Spetses die längste Anreise auf die Inseln im Sanorischen Golf. Besonders für wohlhabende Athener ist Spetses ein beliebtes Urlaubs- und Ausflugsziel. Viele der neoklassizistischen Villen sind über Generationen vererbt worden.

Der Saronische Golf: Spetses
Spetses

Bietet der Saronische Golf mit seinen Inseln ansonsten eher ruhige Urlaubsatmosphäre, findet man auf Spetses neben kristallklaren Buchten und Stränden, viele Cafés entlang der Küstenstraßen, aber auch ein Nachtleben.

Das war jedoch nicht immer so. Erst der aufkommende Tourismus in den 1950er Jahren ließ Spetses aus einem Dornröschenschlaf erwachen. Spetses hat eine lange Seefahrertradition. Allerdings hat man es im 19. Jahrhundert versäumt, auf Dampfschiffe zu setzen und an den traditionellen Seglern festgehalten.

Spetses hatte mit seiner Flotte im Griechischen Befreiungskrieg von 1821 einen entscheiden Anteil. Völlig untypisch für die damalige Zeit, unterstützte eine Frau die Freiheitsbewegung. Die verwitwete Laskarina Bouboulina steuerte Schiffe aus ihrem Bestand und ihr Privatvermögen für die Griechische Sache bei. Heute eine beliebte Figur des Freiheitskampfes, verstarb Bouboulina völlig verarmt.
Ihr Denkmal ist auf Spetses zu finden.

Denkmal der Laskarina Bouboulina auf Spetses
Jeanhousen, CC BY 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by/3.0, via Wikimedia Commons

Der Saronische Golf war während des Unabhängigkeitskrieges Schauplatz vieler Schlachten. Vor Spetses konnte in der Meerenge vor Spetses eine türkische Flotte geschlagen und das Flaggschiff versenkt werden.

Die Anfang September stattfindende Armata gedenkt dieser Schlacht mit Feierlichkeiten über eine Woche. Die Seeschlacht wird nachgestellt und eine Attrappe des türkischen Flaggschiffs verbrannt. Den Höhepunkt und Abschluss der Feierlichkeiten bildet ein buntes Feuerwerk.

Aegina

Durch ihre Nähe zu Athen ist Aegina ein sehr beliebtes Ziel für Tageausflüge für Athener und Touristen. Mit der Fähre ist Aegina in weniger als einer Stunde erreichbar.

Der Saronische Golf: Aegina
Tempel des Apollo auf Aegina

Der Hafen von Aegina bildet gleichzeitig das Zentrum der Insel. Wer mag, kann sich in einer Pferdedroschke durch über die Hafenpromenade durch die Stadt kutschieren lassen und die prächtigen Häuser mit ihren Innenhöfen bewundern. Wie auch auf anderen Inseln, wurde die meisten Häuser nach dem Befreiungskrieg von 1821 im neoklassizistischen Stil erbaut.

Im Hafen selber kann man allerhand Tand und Kitsch auf einem der schwimmenden Marktboote erwerben. Vergleichbares in Griechenland habe ich bisher nur im Hafen von Chania gesehen.

Auf Aegina kann man einige Sehenswürdigkeiten zu bewundern. Dazu zählt das antike Heiligtum der Aphaia, welches bereits in mykenischer Zeit bekannt war. Die Überreste eines Apollon-Tempels laden ebenfalls zum Besuch ein.

Ein besondere Attraktion ist das Kloster der Agia Triada, welches auch als das Kloster des Agios Nektarios bekannt ist. Bis zu seinem Tod 1920 verbrachte Bischof Nektarios seine letzten Lebensjahre hier. Nektarios ist einer der jüngsten und beliebtesten Heiligen der griechisch-orthodoxen Kirche.

Kloster Agios Nektarios auf Aegina
Dimorsitanos, CC BY 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by/3.0, via Wikimedia Commons

Unweit vom Kloster befinden sich die Überreste der ehemaligen Inselhauptstadt Paleochora. Im Mittelalter wurde die Stadt, zum Schutz vor Piraten, im Landesinneren erbaut. Anfang des 19. Jahrhunderts verlassen, sind die Häuser mittlerweile verfallen. Mehr als 30 Kirchen blieben jedoch erhalten.

Angistri

Mit ca. 12 m² Fläche, ist Angistri die kleinste Insel im Saronischen Golf. Mit der Fähre von Aegina ist Angistri in 15 Minuten erreichbar.

Der Saronische Golf: Angistri
Angistri

Auf der Insel leben etwa 1000 Einwohner, die sich auf die 4 Dörfer Megalochori, Skala, Limenaria und Metochi verteilen.

Megalochori bietet einen Naturhafen, der überwiegend von kleineren Schiffen und als Anlegeplatz für die Flying Dolphins genutzt wird. Touristen finden hier einen Sand- und Kieselstrand und können durch die engen Gassen mit den alten Steinhäusern flanieren. Wer mag, kann in einem Kafenion oder in einer der Tavernen einkehren.

Skala (Angistri) ist der Hafen für die großen Fähren aus Piräus. Neben einem flach absteigenden Sandstrand, finden sich hier Fischrestaurants, Tavernen und Bars.

Inmitten von Pinien, findet sich das traditionelle Dorf Limenaria mit seinen 200 Einwohnern.

Den schönsten Ausblick, durch seine Lage an den Hängen eines Hügels, bietet das Dorf Metochi.

Fazit

Der Saronische Golf ist bestimmt nicht die bekannteste Urlaubsregion Griechenlands. Obwohl man hier vom Tourismus lebt, ist man nicht auf den Massentourismus ausgelegt. Wer kein 5 Sterne All-inclusive Hotel braucht, um sich im Urlaub glücklich zu fühlen, wird hier viele außergewöhnliche Eindrücke sammeln können. Die Inseln sind nicht überlaufen und bieten viele Möglichkeiten, einen ruhigen Urlaub zu verbringen und zu entschleunigen.

Egal, ob als Individual-Tourist, Kurzurlauber oder Tagesausflügler aus Athen: der Saronische Golf ist eine Reise wert.

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Über den Author:

Alexandros reist seit 1972/73 regelmäßig nach Griechenland bzw. Zypern.

In meinem Blog möchte ich Euch verschiedene Regionen sowie Land & Leute vorstellen.

Lasst Euch inspirieren und vielleicht bucht auch Ihr Euren nächsten Urlaub in Griechenland.

Alexandros Trikaliotis


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