Eisenbahnen in Griechenland – Geschichte, Landschaften und Genuss

Auch wenn man es vielleicht nicht erwartet, haben  Eisenbahnen in Griechenland eine lange Tradition. Die erste Strecke Piräus – Athen wurde zunächst privat finanziert und errichtet und bereits 1869 eröffnet. Diese Strecke ist mittlerweile im U-Bahnnetz der Metro von Athen aufgegangen. Die ersten Strecken wurden in der Normalspur angelegt, jedoch gibt es immer noch Strecken in der Meterspur.

Königlicher Salonwagen der Eisenbahn Piräus-Athen
Von © 2009 K. Krallis SV1XV – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7179407

Wie in vielen anderen Ländern auch, gab es zunächst nicht nur einen, sondern viele regionale Betreiber. 

In Athen und Umgebung begann 1904 die eigens gegründete Aktiengesellschaft Hellenic Railways Company / Chemins de Fer Helléniques mit dem Bau der Strecke Piräus – LarissaDiese wurde später bis Thessaloniki und im Anschluss bis an die Grenze zum Osmanischen Reich in Papapouli verlängert.

In Thessalien wurden ab 1884, nach der Eroberung durch das Königreich Griechenland, die Strecken Volos – Larisa und Volos – Kalambaka in einer Meterspur errichtet.

Nr. 72 (Krupp Fabrik-Nr. 1510/35) des thessalischen Meterspurnetzes – Denkmallokomotive in Larissa
Nr. 72 (Krupp Fabrik-Nr. 1510/35) des thessalischen Meterspurnetzes – Denkmallokomotive in Larissa
Von Roman Klementschitz – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10947209

1883 ging die Strecke Piräus – Patras als erste Verbindung auf dem Peleponnes wiederum in einer Meterspurausführung in Betrieb. Der Ausbau des Streckennetzes auf dem Peleponnes begann 1880. Betrieben wurden es durch die SPAP (Sidirodromi Pireos–Athinon–Peloponnissou).

Die Strecke  Kryoneri–Agrinio und zwei abzweigende  Kurzstrecken, die durch die Griechische Nordwestbahn SVDE (Sidirodromi Voreioditikis Ellados) betrieben wurden, gingen ab 1890 ab Netz. 1953 ging das Netz der SVDE in das Netz des SPAP über und dieses wiederum 1962 in das Netz der SEK. Das ehemalige Netz der SVDE wurde 1970 durch die SEK eingestellt.

Das Streckennetz in Makedonien und Thrakien wurde ab 1870 durch die Orientbahn des Osmanischen Reiches ausgebaut. 

  • Strecke Thessaloniki–Idomeni (1871 – 1873) als Anschluß an die Strecke Wien–Konstantinopel
  • Strecke Pythio–Alexandroupoli (1874)
  • Strecke Thessaloniki–Platy–Bitola (1892)

Unter griechischer Regie erfolgte noch während des Ersten Weltkries von 1914 – 1916 ein weiterer Ausbau der Bahnstrecke in Normalspur von Athen nach Platy über Papapouli. Somit konnte auch Thessaloniki, die Hauptstadt Makedoniens, angeschlossen werden. Makedonien konnte zuvor im Balkankrieg 1913 erobert werden.

Die meisten Netze werden  mittlerweile durch die Griechische Staatsbahn OSE betrieben, welche 1973 als Nachfolgeorganisation der SEK gegründet wurde. 

Die Eisenbahn in Griechenland hat nie die wichtige Rollen erlangen können, wie es im Ausland der Fall ist. Das liegt einerseits an der Topografie des Landes, wo für den Ausbau Bergmassive überwunden werden müssen  und eine ungünstige Kosten-Nutzen-Relation gegenübersteht. Andererseits befinden sich viele touristische Ballungszentren auf den Inseln. 

Waren der Hellas-Express von Athen nach Dortmund und der Akropolis-Express von Athen nach München noch in den 1970er Jahren wichtige Verbindungen nach Mitteleuropa, wurden diese zwischenzeitlich eingestellt.  Sinkende Preise für Flugtickets tun ihr Übriges.

Auf der Strecke Platy–Bitola, 1891

Auf der Strecke Platy–Bitola, 1891
Von Unknown, possibly Paul Zepdji – Old postcard, c. 1891http://www.macedonian-heritage.gr/HellenicMacedonia/en/img_D33h.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8533003

Unsere Erfahrungen mit  Eisenbahnen in Griechenland

Bei unserem Aufenthalt 2019 in Thessaloniki haben wir einen Ausflug zu den Meteora-Klöstern geplant. Der Einfachheit halber haben wir das Angebot des Anbieters angenommen und sind mit der Bahn bis Kalambaka gefahren, Soweit hat alles gut funktioniert. Ausgangspunkt war der Bahnhof von Thessaloniki. Dort haben wir die Bahn nach Athen genommen und sind über Larisa bis Palaeofarsalos gefahren. Dort erfolgte der Umstieg in den Zug nach Kalambaka. 

Der erste Abschnitt der Fahrt ging vorbei an einer  landwirtschaftlich ausgeprägten Region, im Hintergrund waren immer die die Mittelgebirgszüge Thessaliens zu erahnen. Der letzte Teilabschnitt nach Kalambaka führte immer tiefer ins Mittelgebirge, wo man dann deutlich die verschneiten Bergspitzen sehen konnte. 

Bahnhof von Kalambaka
Bahnhof von Kalambaka . Am Fuße der Meteora-Klöster

Die letzten Minuten vor der Einfahrt nach Kalambaka waren sehr aufregend. Man konnte schon die Nadelspitzen erkennen, auf denen die Meteora-Klöster erbaut wurden. Am Bahnhof von Kalambaka angekommen, erwartete uns ein atemberaubender Anblick, denn im Hintergrund ragten die Bergspitzen mit den Meteroa-Klöstern auf. 

Persönlich war ich sehr angenehm überrascht. Die Bahn war ausgesprochen pünktlich, was ich nicht unbedingt erwartet hatte. 

In einigen Situationen konnte man gut erkennen, dass es sich bei der OSE um einen Staatsbetrieb handelt. Seit der Krise von 2009 wird gerade auch bei den Staatsbediensteten gespart. Wir haben viele alte und veschlissene Uniformen gesehen, bzw. der Besitzer war aus dieser bereits herausgewachsen. An einem Bahnhof haben wir einen Schaffner entdeckt, der improvisiert hat. Offensichtlich war seine Signalkelle abhanden gekommen oder kaputt. Also hat er einen Holzstab genommen, an diesem ein rundes Stück Pappe gefestigt und dieses auf der einen Seite grün und auf der anderen rot bemalt. Kurios, aber Not macht eben doch erfinderisch.

Eisenbahn auf dem Peleponnes

Auf dem Weg nach Nafplion, sind wir auch an einer aufgegeben Bahnstrecke vorbeigekommen. Vor einigen Jahren scheint eine Strecke im nord-östlichen Peleponnes noch befahren worden zu sein.

In Nafplion selbt steht noch der aufgegebene Bahnhof, direkt davor eine alte Dampflokomotive.

Eine Übersicht über das Streckennetz und eine Buchungsmöglichkeit gibt es auf der Homepage der OSE   

Archiv

Über den Author:

Alexandros reist seit 1972/73 regelmäßig nach Griechenland bzw. Zypern.

In meinem Blog möchte ich Euch verschiedene Regionen sowie Land & Leute vorstellen.

Lasst Euch inspirieren und vielleicht bucht auch Ihr Euren nächsten Urlaub in Griechenland.

Alexandros Trikaliotis


Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *